Pontifikalamt zum Jubiläum


Georg Kardinal Kopp (* 25. Juli 1837 in Duderstadt; † 4. März 1914 in Troppau) war von 1881 bis 1887 Bischof von Fulda und von 1887 bis 1914 Fürstbischof von Breslau. Am 6.9.1908 konsekrierte der die Herz-Jesu-Kirche.

Liebe Gemeinde,
am Sonnabend, dem 6. September 2008, feiern wir um 18.00 Uhr mit unserem Weihbischof Wolfgang Weider den 100. Jahrestag der Kirchweihe unserer Herz-Jesu-Kirche. Der erste Pfarrer der Gemeinde, Dr. Adolph Strehler, vermerkt über diesen Tag in der Chronik:

Gestern, den 6. September, war Einweihung! Es ist gut gelungen und schön verlaufen. Am Sonnabend fuhr ich nachmittags um 3 Uhr über Steglitz mit Herrn Pfarrer Deitmer nach Bahnhof „Zoologischer Garten“, wo Eminenz gegen 5 Uhr mit Sekretär und Diener eintraf. Nachdem er in Steglitz sich die Ausmalung der Kirche angesehen, ging es hierher, wo er unter Glockengeläut am Portal von dem Vorstande des Kirchbauvereins empfangen wurde. Nach Besichtigung der Kirche bezog er meine Wohnung hier im neuen Pfarrhause, ich selbst war nach der Parterre-Wohnung ausquartiert. Das Abendessen war gemeinschaftlich. Bis 9 Uhr saßen wir bei der Unterhaltung zusammen. Am Sonntagmorgen begann um 7 3/4 die Weihe. Diakon machte Religionsoberlehrer Dr. Junglas, Subdiakon Kaplan Menzel, Steglitz. Das Wetter war frisch, der Himmel den ganzen Tag bewölkt. Etwa 10 geistliche Herren assistierten. Um 10 Uhr erschienen der Kultusminister Dr. Holle mit Ministerialdirektor v. Chappuis sowie die Ehrengäste, welche Platzkarten erhalten hatten. Sie wurden sämtlich durch die Sakristei hereingelassen. Darauf wurden die Portale geöffnet für die 65 Fahnen und das Volk. Man stand draußen bis auf die Straße. Um 10 Uhr begann das Hochamt. Es wurde vom Steglitzer Kirchenchor unter Leitung des Herrn Lehrer Mergenthal die dmoll-Messe von M. Filke gesungen, das Offertorium von Witt, zum Schluss: ‘Der Herr ist König’ von Bunning. Der Herr Kardinal sprach über das Wort des Glaubens und die Ursachen der heutigen Ungläubigkeit: 1. falsche Wissenschaft, 2. Unkenntnis, Schluss: Möge dieses Haus eine Mitte werden der Ewigkeitskultur und Königstreue. Um 1 Uhr Festessen in der Glashalle des ‘Burgrestaurants’. 153 Mitglieder. Der Herr Kardinal sprach auf Kaiser und Papst, Pfarrer Deitmer auf die Damen. Beim Abschied drückte er mir 300 M in die Hand. Um 4 Uhr sehr stark besuchte Andacht mit Predigt meines Bruders, des Präfekten Dr. Bernhard Strehler in Neiße. Darauf Prozession bis heraus auf die Strasse. Darauf Gartenfest bei Grzeda, Berlinerstrasse 9, mit Militärkonzert und Gesang des K. Märkischen Sängerbundes. Sehr gut besucht. Aber kalt, deshalb früh verlassen. Deo gratias et Mariae!“

Wir dürfen dankbar sein für 100 Jahre Gottesdienste in diesem Kirchengebäude, das zwei Weltkriege unbeschadet überstanden hat und sogar noch den damals konsekrierten Hochaltar enthält. „Domus dei et porta coeli, tabernaculum altissimi“- so lautet die Inschrift am Hauptportal: „Haus Gottes und Pforte des Himmels, Zelt des Allerhöchsten“. Dieser Raum ist der Begegnung mit Gott vorbehalten, er ist abgehoben von den im Alltag genutzten Gebäuden. Wer sich hier einfindet, möchte seinen inneren Raum Gott gegenüber öffnen und auch bei Gott Raum finden. „Venite ad me omnes“, das steht über einem weiteren Eingang: „Kommt alle zu mir!“ Über den beiden weiteren Türen: „ Ave maria, gratia plena“, „Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade“. Maria ist die Pforte des Himmels, die uns den Zugang zum Herrn ermöglicht. Möge dieses Haus weiterhin offen stehen für alle, die Gott begegnen wollen, die Gottesdienste feiern möchten und in der Gemeinschaft das Gotteslob erklingen lassen!
Ihr Pfarrer Carl-Heinz Mertz

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